Misereor: Armutslücke Welternährung
Wachsende Lücke trotz globalem Wachstum
Weltweit können sich rund 2,98 Milliarden Menschen keine gesunde Ernährung leisten. Zusammengenommen fehlen 3,25 Billionen US-Dollar, um die Ernährungslücke zu schließen – das entspricht 1,62 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und betrifft fast jeden dritten Menschen. Entscheidend ist dabei nicht nur, satt zu werden, sondern sich ausgewogen zu ernähren: mit ausreichend Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten. Während sich die Lage in Ostasien und im Pazifikraum verbessert hat, verschärft sie sich in Subsahara-Afrika und Nahost-Nordafrika weiter. Besonders betroffen ist der Südsudan, wo einer durchschnittlichen Person 86 Prozent des nötigen Einkommens für eine gesunde Ernährung fehlen.
Armut, Ungleichheit und langfristige Folgen
Ernährungsarmut ist vor allem Folge von Armut und ungleicher Einkommensverteilung. In Ländern mit hoher Ungleichheit ist sie bis zu siebenmal größer als in Ländern mit ähnlichem Einkommen, aber gerechterer Verteilung. Zwischen 2017 und 2024 ist die globale Armutslücke inflationsbereinigt von 2,87 auf 3,25 Billionen US-Dollar gestiegen – obwohl die Weltwirtschaft im selben Zeitraum gewachsen ist. Wirtschaftliches Wachstum allein reicht nicht aus, wenn es ungleich verteilt bleibt. Die Studie zeigt, dass besonders Haushalte mit geringem Einkommen unter steigenden Lebensmittelpreisen leiden, da sie einen Großteil ihres Einkommens für Nahrung ausgeben müssen. Mangelernährung beeinträchtigt die Entwicklung von Kindern, schwächt die Gesundheit und mindert Zukunftsperspektiven über Generationen hinweg. Dauerhafte Ungleichheit führt so zu einem Kreislauf aus Armut, Unterernährung und geringer wirtschaftlicher Teilhabe.
Politische Verantwortung und Handlungsperspektiven
Die notwendigen Mittel gegen Ernährungsarmut wären vorhanden – entscheidend ist ihre gerechte Verteilung. Regierungen und internationale Institutionen stehen in der Verantwortung, soziale Sicherungssysteme auszubauen, landwirtschaftliche Strukturen zu stärken und Einkommen im ländlichen Raum zu sichern. Gerade dort, wo Menschen am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, braucht es verlässliche Unterstützung und Investitionen in nachhaltige Ernährungssysteme. Wird heute bei Programmen gegen Hunger und Mangelernährung gespart, steigen die Kosten langfristig – für die betroffenen Menschen ebenso wie für die globale Wirtschaft. Auch ein gerechterer Welthandel kann dazu beitragen, Einkommen zu erhöhen und Ernährungssicherheit zu fördern.
Weitere Informationen und Hintergründe zur Studie finden sich auf der Seite von Misereor.