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Anerkennung

Erfolgserlebnisse fördern die Freude an der Arbeit und die Motivation. Man kann sich in aller Stille selbst am eigenen Erfolg freuen. Schön ist aber auch, wenn der Erfolg/die erbrachte Leistung wahrgenommen und von außen widergespiegelt wird.

Loben

Menschen gehen ganz unterschiedlich mit Anerkennung geben und empfangen um. Die Schwab*innen sagen "Ned gschompfa isch gnug globd." (Nicht geschimpft ist genug gelobt.) Darin drückt sich die Haltung aus, dass es keiner besonderen Erwähnung bedarf, wenn alles gut läuft. Es wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Läuft es schlecht, wird etwas gesagt. Das hat zur Konsequenz, dass nur Kritik geäußert wird.

Andere heben jede Kleinigkeit, die jemand tut, hervor, auch Dinge, die jede*r als selbstverständlich empfindet. Das wird dann als Lobhudelei wahrgenommen. Die positive Rückmeldung ist unangemessen und wird nicht mehr ernst genommen.

Auch mit erhaltenem Lob oder Anerkennung gehen die Menschen verschieden um. Die einen freuen sich und zeigen das auch. Anderen ist es etwas peinlich, sie werden verlegen und spielen ihren Beitrag herunter oder tun das Lob ab. Manchmal merken sie dann, dass sie sich der Anerkennung beraubt haben und versuchen, ihr Gegenüber dazu zu bringen, das Lob noch einmal zu äußern (fishing for compliments). Wieder andere weisen ein Lob regelrecht zurück.

Anerkennen

Menschen als soziale Wesen brauchen aber Rückmeldung über ihr Tun, über ihre Wirkung. Sie brauchen Resonanz und wollen wahrgenommen werden. Rückmeldung über die Wirkung oder Relevanz des eigenen Handelns stiftet Sinn. Der eigene Beitrag kann in seiner Bedeutung für einen anderen oder für den Erfolg des Ladens eingeordnet werden.

Im Gegensatz zum Lob bewertet die Wertschätzung oder Anerkennung nicht. Es wird mitgeteilt, dass man wahrnimmt, was der*die andere tut (beschreibende Beobachtung) und welche Bedeutung es für den*die Sprechende*n hat, welches seiner*ihrer Bedürfnisse erfüllt wurde (Selbstoffenbarung) und*oder welche Bedeutung es für das Projekt (Sachaspekt) hat. Damit macht sich der*diejenige, der*die die Anerkennung ausspricht, sichtbar, bringt sich mit ein und macht transparent, was seine*ihre Kriterien sind.

Es ist ein Unterschied zu sagen: "Schön, dass Du das Fenster geputzt hast. Das hast Du gut gemacht." oder "Ich bin froh, dass Du das Fenster geputzt hast. Das entlastet mich sehr. Mir war auch schon aufgefallen, dass es schmutzig ist, aber ich bin noch nicht dazu gekommen, es zu putzen." Hier wird transparent, welche Bedeutung das Tun der einen Person für die Andere hat. Es werden Ich-Botschaften formuliert.

"Mir ist aufgefallen, dass Du in letzter Zeit häufig unbesetzte Ladendienste übernommen hast (Beobachtung). Du hast mich damit sehr entlastet, da ich unter großem Druck stand, wie ich die Dienste besetzt bekomme (Selbstoffenbarung). So konnten wir den Laden auch in der Ferienzeit offenhalten und haben keine Kund*innen abgewiesen (Nutzen für die Sache)."

"Ich habe gesehen, wie Du eben mit der Reklamation umgegangen bist. Die Kundin war ja ganz schön geladen. Durch deine Freundlichkeit hast Du ihr den Wind aus den Segeln genommen." Dies ist einfach nur eine Beschreibung der Situation mit Analyse der Wirkung des Verhaltens des*der Kollegen*in. Diese Mitteilung signalisiert, dass man den*die Andere wahrnimmt.

Die Anerkennung auf Augenhöhe basiert im Prinzip auf den Regeln des Feedbacks:

  • Anerkennung muss aufrichtig und angemessen sein – keine Lobhudelei, nicht manipulativ, um den*die Andere*n z.B. zu einer besseren Leistung zu bewegen.
  • Anerkennung ist interaktions- oder sachorientiert. Sie beurteilt nicht die Person.
  • Ich-Botschaften formulieren
  • Beschreibung des Sachverhalts, Mitteilen einer Beobachtung
  • Nutzen für die Aufgabe oder einen selbst benennen
  • Anerkennung zeitnah und konkret äußern, begründet und nachvollziehbar
  • Anerkennung sollte nicht mit Kritik verbunden werden (nicht Zuckerbrot und Peitsche).

Überlastung

Wenn in einem Team alle überlastet sind, hat niemand mehr die Ressourcen, andere wahrzunehmen und anzuerkennen. Gleichzeitig entsteht bei allen ein Hunger danach, dass ihr Einsatz gesehen und gewürdigt wird. Es macht keinen Sinn, sich für den Weltladen aufzuopfern und dauernd die eigenen Grenzen zu überschreiten. Das führt dazu, dass meist unausgesprochen von anderen Dankbarkeit und Anerkennung erwartet wird. Ein Opfer, auch ein freiwillig erbrachtes, verlangt nach Gegenleistung oder Wiedergutmachung. Oder es wird Druck ausgeübt, damit sich auch die Anderen aufopfern ("Für die Jubiläumsvorbereitungen habe ich meine Yogastunde ausfallen lassen, aber Veronika hält es nicht für nötig, mal auf eine Chorprobe zu verzichten."). Bei Überlastung fängt man an, den eigenen Einsatz mit dem der anderen aufzurechnen. Das besondere punktuelle Engagement von Mitarbeiter*innen sollte ausreichend anerkannt werden. Darüber hinaus sollte ein Klima herrschen, in dem die Mitarbeiter*innen "Nein" sagen können, ohne Druck oder Sanktionen ausgesetzt zu sein. Nur wer "Nein" sagen kann*darf, kann auch zu etwas "Ja" sagen.

Geeignete Maßnahmen der Anerkennung

Gemeinsame Erfolgsbilanz

Gemeinsam bilanzieren, was in diesem Jahr erreicht wurde. Hat man sich als Team am Anfang des Jahres gemeinsame Ziele gesteckt, kann überprüft werden, was erreicht wurde. Die gemeinsame Bilanz kann die Umsatzzahlen umfassen, die Zahl der Veranstaltungen, die Zahl der damit erreichten Personen, die Presseartikel, die jährlichen Öffnungsstunden usw. Man kann gemeinsam Fotos (z.B. über Beamerprojektion an die Wand) von den Aktivitäten anschauen und noch einmal Revue passieren lassen. Es kann auch rekapituliert werden, welche Verbesserungsmaßnahmen ergriffen wurden und wie sie sich ausgewirkt haben. Die Ehrenamtlichen könnten benennen, wie die Arbeit der Hauptamtlichen sie unterstützt hat oder was sie ermöglicht hat und umgekehrt. Eine wichtige Voraussetzung, um den gemeinsamen Erfolg würdigen zu können, ist die Dokumentation der Aktivitäten. Dafür sollte jemand zuständig sein.

Gemeinsames Feiern

Betriebsausflüge, Sommerfeste, Weihnachtsfeiern, Glückwünsche zu Geburtstagen usw. Manche Weltläden räumen ihren Mitarbeitenden einen Einkaufsrabatt ein oder es gibt Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke. Zu einem Ladenjubiläum sollten Pfarrer*innen oder Bürgermeister*innen eingeladen werden, die den Beitrag des Weltladens für die Gemeinde/Kommune und für die weltweite Gerechtigkeit würdigen.

Verabschiedung von Mitarbeiter*innen

Die feierliche Verabschiedung von langjährigen Mitarbeiter*innen, die z.B. aus Altersgründen ausscheiden. Bei der Verabschiedung von Führungsfiguren wie Gründer*innen, langjährigem*r Laden-"Chef*in" usw. kann es hilfreich sein, neben der Würdigung der Leistung mit einem Ritual die Übergabe der Geschicke des Weltladens in neue Hände zu symbolisieren.

Die gemeinsamen Feiern tragen auch zur Teamentwicklung bei. Im Weltladen begegnet man oft einer anderen Mitarbeiter*in nur beim Schichtwechsel. Gemeinsam sieht man sich bei langen Ladenplena, die voll gestopft sind mit Tagesordnungspunkten und wenig Raum für informelle persönliche Begegnungen lassen.

Für eine gelebte Anerkennungskultur im Weltladen sind alle zuständig. Besondere Maßnahmen können von einer Arbeitsgruppe "Personal" koordiniert werden.


Quelle

DEAB – Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg e.V. (2010): QualiFair Aufbaukurs Weltladen. Qualifikation für Fach- und Führungskräfte im Fairen Handel. Modul “Personalführung im Weltladen” (Birgit Lieber).

Quelle: Wiki-Artikel „Anerkennung“ von Weltladen-Dachverband e.V. unter einer CC BY 4.0-Lizenz

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