Team Bad Boyz
Bad Boyz
Interview mit Bad Boyz

Einblick in die Lieferkette von Fußbällen

WeLTLADEN-dachverband: Wie stellt ihr sicher, dass Menschenrechte entlang Eurer Lieferketten eingehalten werden und Umweltschutz gewährleistet wird? Wie überprüft ihr das?

Robert Weber: In einem ersten Schritt verlassen wir uns auf die Fairtrade-Zertifizierung, da wir ausschließlich mit Fairtrade-zertifizierten Herstellern zusammenarbeiten. Darüber hinaus pflegen wir zu all unseren Herstellern intensive und freundschaftliche Kontakte. Wir besuchen sie mindestens ein Mal im Jahr und führen ausführliche Gespräche sowohl mit den Inhaber*innen und der Geschäftsführung als auch direkt mit den Arbeiter*innen. Bei etwa 50 Besuchen in 35 Jahren haben wir mit vielen Menschen Freundschaften geschlossen, die weit über eine geschäftliche Beziehung hinausgehen.

Bei uns ist die Lieferkette relativ kurz, letztendlich nur dreiteilig: Vorlieferanten der „Rohstoffe“, z.B. Fadenhersteller, Kunstlederhersteller etc., dann der*die Ballproduzent*in selbst und zum Schluss wir als Marken-Vertrieb. Zwei von drei Partnern, also die letzten beiden Stufen unserer Lieferkette, sind also zu 100 % unter der Kontrolle von Fairtrade.

Menschenrechte sind innerhalb der Fairtrade-Zertifizierung ja sehr exakt geregelt und werden von FLOCERT regelmäßig und ständig überprüft. Auch wichtige Punkte des Umweltschutzes (wie z.B. des Abfallmanagements) befinden sich in der Kontroll-Checkliste.

Von den etwa 700 Ball-Herstellern im pakistanischen Sialkot sind derzeit nur sieben Hersteller Fairtrade-zertifiziert. In den meisten pakistanischen Sport-Produktionsstätten herrschen nach wie vor sehr schlechte Arbeitsbedingungen, z.B. gibt es keine WC-Anlagen oder keine witterungsgeschützten Arbeitsplätze. Das ist bei unseren Herstellern anders. Das wissen wir nicht nur durch die Audits, sondern auch von unseren persönlichen Besuchen vor Ort.

Schwieriger wird es, wenn wir auf die erste Stufe der Lieferkette blicken, also auf die Herstellung unserer Rohmaterialien. Bei unserem pakistanischen Faden-Lieferanten haben wir beispielsweise auch einen sehr guten Einblick. Dieser arbeitet transparent, berichtet uns detailliert hinsichtlich Arbeitsbedingungen, Sozialleistungen und fairen Lohnzahlungen. Dies können wir dann auch bei unserem jährlichen Besuch dort gut überprüfen.

Problematisch wird es dann allerdings beim chinesischen Kunstleder-Hersteller. Auch von dort bekommen wir jährlich einen Unternehmensbericht, der jedoch hauptsächlich Umweltschutz und die Verwendung schadstofffreier Materialien umfasst. Zu Arbeitsbedingungen, Löhnen und Sozialleistungen etc. gibt es jedoch keine Auskunft, nicht mal nach mehrmaligem Anfordern und Erinnern.

Aufgrund seiner höchst professionellen Arbeit im Umweltschutz hoffen wir, dass auch im Bereich der Menschenrechte dort positiv gearbeitet wird. Auch die Informationen zur Qualität werden in Deutschland ja regelmäßig überprüft und sie stimmen bisher immer mit den chinesischen Angaben überein. Bei einem kurzen persönlichen Besuch haben wir ebenfalls einen positiven Eindruck gewonnen. Aber wir müssen uns hier eingestehen: Im Detail haben wir keinen Einblick in die Arbeitsbedingungen vor Ort.

Ein Lieferkettengesetz wäre endlich ein Werkzeug, um branchenweit die Lösung der Probleme anzugehen.

Portrait Robert Weber, Bad Boyz Robert Weber, Bad Boyz

Weltladen-Dachverband: Wie geht ihr mit solchen Herausforderungen entlang der Lieferkette um?

Robert Weber: Um bei dem Beispiel des chinesischen Kunstleder-Herstellers zu bleiben: Wir sind da sehr kritisch und fragen weiterhin immer wieder an. Mehr können wir derzeit nicht tun. Das ist leider die Realität.

Denn welche Möglichkeiten haben wir? Konsequenterweise müssten wir im Extremfall die Zusammenarbeit beenden. Hier kommt nun die Marktkonzentration ins Spiel: Der besagte Hersteller ist derzeit der einzige, der das benötigte Kunstleder in der gewünscht hohen Qualität anbietet. Daher kaufen bei ihm auch alle bekannten Markenfirmen wie adidas, Nike, PUMA ein. Der Hersteller hat also eine solch überragende Marktposition, dass es ihn kaum beeindrucken würde, wenn wir als Kunde wegfallen. Hier sehen wir die Chance eines Lieferkettengesetzes, weil dadurch alle Abnehmer auf den Hersteller Druck ausüben könnten.

Weltladen-Dachverband: Was erhofft ihr Euch von einem Lieferkettengesetz?

Robert Weber: Ein solches Gesetz könnte auch die großen Unternehmen dazu zwingen, aktiv zu werden und den Hersteller unter Druck zu setzen. Dies wird natürlich Zeit brauchen und sicherlich werden damit nicht sofort alle Herausforderungen entlang der Lieferkette gelöst. Aber es gäbe immerhin endlich ein Werkzeug, um branchenweit die Lösung der Probleme anzugehen.

Weltladen-Dachverband: Was entgegnet ihr den Argumenten von Unternehmensverbänden, dass ein Lieferkettengesetz für Unternehmen nicht leistbar ist?

Robert Weber: Unsere Aussage zu diesem Thema ist derzeit ausschließlich, dass ein sinnvolles deutsches Lieferkettengesetz weltweit positive Auswirkungen auf die Fortentwicklung und Optimierung der Themen Menschenrechte und Umweltstandards haben könnte.

Weltladen-Dachverband: Die Einhaltung von Menschenrechten ist nicht das einzige, auf das ihr achtet. Was leistet ihr darüber hinaus?

Robert Weber: Wir stellen jährlich ein Budget für besondere Hilfsmaßnahmen zur Verfügung. Dies kann eine finanzielle Unterstützung für Arbeiter*innen darstellen oder auch eine projektbezogene Hilfe sein. Darüber hinaus engagieren wir uns sowohl im Herstellungsland Pakistan mit Sachspenden für Schulen und Kindergärten als auch in Deutschland, um verschiedene Akteure für den Fairen Handel zu sensibilisieren. Zudem arbeiten wir als Unternehmen stetig an unserem positiven ökologischen Fußabdruck, beispielsweise in Form von klimaneutralen Transporten.

Weltladen-Dachverband: Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf eure Lieferkette? 

Robert Weber: Im Moment sind alle Hersteller unserer Lieferkette von der Corona-Krise betroffen. Der Hersteller unserer Bälle in Pakistan ist mit Material ausreichend versorgt, so dass nach einem Lockdown sofort wieder mit der Produktion begonnen werden kann.

Wir haben keine Bestellungen storniert, bzw. wir haben die Bestellmengen sogar erhöht, weil wir nach Corona einen großen Nachholbedarf sehen.

Portrait Robert Weber, Bad Boyz Robert Weber, Bad Boyz

Allerdings werden von Seiten der pakistanischen Regierung entsprechende Schutzmaßnahmen gefordert werden: großer Abstand zwischen den Arbeitsplätzen, limitierte Mitarbeitenden-Zahl innerhalb der Fabrik, persönliche Schutzmasken, Bereitstellung von Desinfektionsmitteln etc. Das wird bereits vorbereitet bzw. gerade durchgeführt werden. Wann es die Wieder-Eröffnung genau gibt, steht allerdings noch nicht fest.

Weltladen-Dachverband: Wie geht es euren Handelspartnern in der aktuellen Situation?

Robert Weber: Wie bereits erwähnt: Unsere Hersteller haben derzeit geschlossen. Zum Glück haben sie eine gute Auftragslage und bisher keine Existenzprobleme.

Ein Großteil unserer Händler in Deutschland, wie die Weltläden oder andere Fachgeschäfte waren vorübergehend geschlossen. Über den Online-Handel haben wir derzeit aber eine recht gute Nachfrage.

Weltladen-Dachverband: Wie unterstützt ihr eure Partner aktuell in der Corona-Krise?

Robert Weber: Wir haben keine Bestellungen storniert, bzw. wir haben die Bestellmengen sogar erhöht, weil wir nach Corona einen großen Nachholbedarf sehen.

Hier in Deutschland unterstützen wir Weltläden und andere Fachgeschäfte mit Valutierung von Rechnungen und Sonder-Rabatten bei Bestellungen. Manche Kunden, z.B. unsere Online-Spielwaren-Händler brauchen keine Unterstützung, diese haben derzeit eine überaus starke Nachfrage.


Über Bad Boyz

Bad Boyz Ballfabrik ist ein Familienunternehmen, das sich auf die Produktion von fairen Bällen spezialisiert hat. Das Unternehmen lässt ausschließlich bei Fairtrade-zertifizierten Herstellern in Pakistan fertigen. Neben seinem Engagement in Pakistan beteiligt es sich an vielen Projekten in Deutschland, beispielsweise mit Spenden von weit mehr als 1.000 Bällen jährlich. Dabei kooperiert es mit unterschiedlichen Akteuren und bringt so den Fairen Handel in die Welt des Sports ein.  

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