Mitarbeitende der Schokoladenfabrik in Amanase/Ghana
fairafric
Weltladentag 2022

Interview mit Melanie Frassen von fairafric

Weltladen-Dachverband: Was sind eure Erfahrungen mit Preis- und Kostendruck? Wie gelingt es euch trotzdem fair zu handeln?

Melanie Frassen: Fair und bio hat einen Preis. Dieser Preis führt natürlich oftmals zu Verhandlungen, da Großhändler*innen und Wiederverkäufer*innen auch eine Marge brauchen. Daher haben wir von Beginn an die Marge für den Wiederverkauf einberechnet ohne den Impact, den wir vor Ort in Ghana mit der Produktion unserer Schokoladen haben, zu gefährden. Darüber hinaus geben wir allen dieselben Preise, damit keine Ungerechtigkeit entsteht und kommunizieren diese Preise transparent.

Wir verfolgen die Strategie der transparenten Kommunikation: wir sagen, warum unsere Schokoladen einen fairen Preis verdienen.

Portrait Melanie Frassen, fairafric Melanie Frassen, fairafric

Weltladen-Dachverband: Was ist deine Einschätzung: Warum gibt es überhaupt Preise unterhalb der Produktionskosten? Was sind die Erfahrungen eurer Handelspartner*innen damit?

Melanie Frassen: Der Handel hat vorrangig Interesse an Produkten, die in ihrem Budget liegen und einen geringen Einkaufspreis haben. Kleine Preise ziehen Kund*innen an und der Marktanteil des Produkts vergrößert sich. Oftmals gewinnen Unternehmen durch Dumping-Preise Marktanteile. Die Macht der Abnehmer*innen ist dabei oftmals nicht zu unterschätzen.

Wir verfolgen die Strategie der transparenten Kommunikation: wir sagen, warum unsere Schokoladen einen fairen Preis verdienen (faire Löhne in Ghana, Handelsbeziehungen auf Augenhöhe, Umdenken des fairen Handels) und legen auch dar, dass wir mit dem Bau der solarbetriebenen Fabrik in Ghana erhebliche Kosten hatten und Kredite tilgen müssen.

Weltladen-Dachverband: Wie laufen Preisverhandlungen innerhalb eurer Handelspartnerschaften ab? Wie entstehen Preise bei euch?

Melanie Frassen: Bei der Berechnung unseres Tafelpreises haben wir uns für einen Betrag entschieden, der für verschiedene Zielgruppen zugänglich ist und gleichzeitig unsere Kosten deckt (jedoch erst, wenn wir einen gewissen Umsatz erzielen). Wir verhandeln diesen Preis nicht neu. Es gibt Mengenrabatte, welche wir auch transparent kommunizieren. Wenn ein*e Händler*in weniger zahlen möchte, kommen wir nicht ins Geschäft. Wir produzieren nicht nur faire Schokolade, sondern pflegen auch faire Preispolitik. Somit wollen wir auch Aufmerksamkeit für Kosten schaffen.

Weltladen-Dachverband: Welche Rolle spielen existenzsichernde Einkommen in euren Handelsbeziehungen und in eurer Preisbildung?

Melanie Frassen: Ein existenzsicherndes Einkommen für alle Farmer*innen und Mitarbeiter*innen in der Produktion ist das Ziel von fairafric, bei welchem wir auch keine Abstriche machen. Pro Tonne Kakao bezahlt fairafric die höchste Kakaoprämie in Westafrika, nämlich 600 USD. So haben die Kakaofarmer*innen zusätzliches Geld zur Verfügung, um ihren Kindern beispielsweise einen erweiterten Bildungsweg zu ermöglichen.

Alle Mitarbeiter*innen in der Schokoladenfabrik erhalten zusätzlich zu ihrem Lohn eine Betriebsrente und Krankenversicherung. Von dem Preis einer Tafel Schokolade bleiben 43% in Ghana: 1,08€ werden unter anderem für den Kakao und die Gehälter, aber auch für dortige Betriebskosten verwendet. Zum Vergleich: Bei einer klassischen, normalen Tafel, bleiben durchschnittlich 6-7 Cent im Land des Kakaoanbaus.

Weltladen-Dachverband: Welche Auswirkungen spürt ihr durch die Corona-Pandemie?

Melanie Frassen: Die Rohstoffpreise sind stark gestiegen. Außerdem konnten Bauteile für den Fabrikbau in Ghana während der Pandemie nicht geliefert werden, was wiederum zu einer Verzögerung des Fabrikbaus und damit zu verspäteten Lieferungen und somit Umsatzeinbußen einherging. Die weltweiten Staus von Containern haben auch bei uns zu Lieferengpässen geführt.

Weltladen-Dachverband: Wie könnten sich eure Handelspartnerschaften in der Zukunft weiter entwickeln?

Melanie Frassen: Wir suchen uns Handelspartner aus, die dieselben Ansichten auf eine fair chain wie wir vertreten (faire Löhne, Handel auf Augenhöhe, Rahmenbedingungen, wie sie hier in Deutschland Gang und Gebe sind z.B. Kranken- und Rentenversicherung) und bio-zertifiziert sind.

Essenziell für ein Umdenken des Fairen Handels ist für uns die Verlagerung der Wertschöpfung in das Ursprunglands des Rohstoffs – in unserem Fall Kakao. Daher wünschen wir uns, dass so viele wie möglich unserer Handelspartner aus Ghana und anderen afrikanischen Ländern stammen. So hoffen wir beispielsweise 2022 unsere Verpackungen in Ghana drucken lassen zu können.

Darüber hinaus freuen wir uns auf viele Partnerschaften mit Gemeinwohlökonomie zertifizierten Unternehmen und hoffen, dass diese Bewegung weiterwächst (wir sind schon Mitglied und lassen uns 2022 zertifizieren).

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