Rohmaterial: gefärbte Schafswolle
GLOBO/L. Winkler
Kundenmagazin Winter 2019

Filzproduktion in Nepal: Schafft gute Arbeitsplätze und schöne Produkte

Filzen hat in Nepal eine lange Tradition: Die Völker des Himalaya stellen seit Jahrtausenden Kleidung und Decken aus Wollfilz her. Dieses unvergleichlich robuste und wärmende Material war auch sehr wichtig für die nomadisch lebenden Gruppen der Region, die daraus sogar Zelte nähten. Filz entsteht, wenn synthetische, pflanzliche oder tierische Fasern zu einem festen Stoff gewalkt, d.h. geknetet, und gepresst werden. Die Fasern verhaken sich dabei ineinander und verbinden sich zu einem Gewebe. Filz kann sowohl per Hand als auch industriell hergestellt werden.

Fairer Handel macht den Unterschied

Am westlichen Rand von Kathmandu steht hoch über der Stadt auf einem Hügel der „Monkey Temple“ Swayambhu: ein antiker buddhistischer Gebäudekomplex, bei dessen Besuch man sich vor den Affen in Acht nehmen sollte, die dort leben. Der Tempel trennt das quirlige Leben und den Lärm Kathmandus von dem dahinterliegenden, ländlich geprägten Vorort Sitapaila. Hier schlängeln sich unbefestigte Wege durch Reisfelder bis zu den Werkstattgebäuden der Produzentenorganisation Hatale. Knapp 200 Personen, mehrheitlich Frauen, sind in der Produktion von Filz- und Papierartikeln beschäftigt. Hatale ist Mitglied der Fair Trade Group Nepal und der World Fair Trade Organization (WFTO). Alle Angestellten kommen aus wirtschaftlich oder sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Dem jungen Manager von Hatale, James Shresta, war die Einhaltung höchster Sozialstandards und absolute Transparenz gegenüber seinen Kunden von Anfang an ein wichtiges Anliegen. Damit ist die Organisation Hatale in Nepal eine Ausnahme. Es existieren viele prekäre, halb-legale und illegale Beschäftigungsverhältnisse. Menschen aus niedrigen Kasten finden oft keine Arbeit oder nur eine als Tagelöhner*innen.

Beschäftigte sind sehr gut versorgt

Bei Hatale liegt der Lohn für Männer und Frauen gleichermaßen bei 13.500 nepalesischen Rupien im Monat für Anfänger*innen und wird pro Jahr um mindestens zehn Prozent erhöht. Damit liegt das Gehalt über dem staatlichen Mindestlohn. Eine Unfallversicherung ist damit ebenfalls abgedeckt. Außerdem erhalten die Angestellten jedes Jahr drei zusätzliche Monatsgehälter vor dem größten hinduistischen Dashain-Fest und vor dem Tihar-Diwali Fest, dem Fest des Lichts. Einmal in der Woche besucht eine Krankenschwester die Werkstatt – dann haben die Mitarbeiter*innen die Gelegenheit, eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung wahrzunehmen. Seit einigen Jahren ist Hatale in der Lage, Kindern von Angestellten ein Schulstipendium zu zahlen. Bis zu zwei Kindern pro Familie finanziert Hatale neben dem Schulgeld auch alle Bücher und Unterlagen, die für einen Schulbesuch benötigt werden.

Hatale steht für 100 Prozent Schafswolle und Handarbeit

Jyoti Chaudhari filzt aus einem Berg grauer Schafswolle ein Sitzkissen. Dazu legt sie zunächst Streifen von loser Wolle kreuz und quer in mehreren Schichten übereinander. Zwischendurch besprüht sie die Schichten mit etwas Wasser und bringt die Ränder in Form. Dann beginnt das eigentliche Nassfilzen: Zunächst mit leichtem, dann mit immer stärkerem Druck massiert sie die Fasern bis diese sich verbinden. Dabei gibt sie immer wieder warmes Seifenwasser über das Arbeitsstück und reibt mit den Händen darüber. Durch die Wärme und den Druck schrumpft die Wolle zusammen. Die Seife sorgt dafür, dass sich die Schuppen der Wollfasern unterschiedlich stark abspreizen, die Fasern sich zügiger ineinander verhaken und das Filzergebnis besser wird. Trotzdem braucht man Geduld zum Filzen – und Fingerspitzengefühl, denn das Kissen soll gleichmäßig dick werden und einen möglichst glatten Rand bekommen. Manche Artikel sind, wie Jyotis Kissen, nach dem Nassfilzen und Trocknen bereits fertig. Bei anderen werden noch Details, zum Beispiel Gesichter oder Verzierungen, mit einer Nadel mit Widerhaken aufgefilzt (Trockenfilzen), oder sie werden mit Mustern und Perlen bestickt. Für Girlanden oder kleine Untersetzer wird zunächst eine große Fläche von Hand nassgefilzt, dann werden Formen aus dem entstandenen Stoff ausgeschnitten und vernäht.

Jyoti filzt mit mehreren Frauen zusammen an einem großen Tisch, sie unterhalten sich während der Arbeit und so entsteht eine angenehme, lockere Arbeitsatmosphäre. Sie ist 35 Jahre alt und arbeitet bereits seit 13 Jahren bei Hatale. „Ich arbeite manchmal beim Nassfilzen und auch in der Qualitätskontrolle und fühle mich hier sehr wohl“, erzählt sie. „Ich arbeite gern mit vielen Frauen zusammen, weil wir uns über alles Mögliche austauschen und wir alle gegenseitig unsere Geschichten kennen.“ Jyotis Mann arbeitet oft im Ausland und in der Zeit ist sie mit ihrer elfjährigen Tochter allein zu Hause. „Es ist gut, dass wir so nah bei der Werkstatt wohnen, denn sie hat um 17 Uhr Schulschluss, so dass wir fast gleichzeitig zu Hause ankommen. Dann muss sie nicht allein auf mich warten.“

Die Schafswolle importiert Hatale aus Neuseeland. In Nepal gibt es leider nicht genügend Wolle und es fehlt die Möglichkeit zur maschinellen Vorbereitung, also zum Waschen und Kämmen der Wolle, was von Hand zu aufwendig wäre. Im Betrieb von Hatale wird die Wolle mit AZO-freien Farben gefärbt, die den europäischen Richtlinien entsprechen. Das verbrauchte Wasser wird in der eigenen Aufbereitungsanlage gesäubert und erneut verwendet.

Wollfilz ist ein faszinierendes und vielseitiges Material

Wollfilz ist ein sehr strapazierfähiges und isolierendes Material und deshalb gut geeignet für Sitz- oder Yogamatten, die verschiedene Bodenbeschaffenheiten und auch mal eine feuchte Wiese aushalten müssen. Es ist praktisch nicht brennbar und selbst bei direkter Feuereinwirkung wird der Stoff lediglich verkohlen. Wolle, und damit auch Wollfilz, ist außerdem zu einem gewissen Grad selbstreinigend und durch das natürlich enthaltene Wollfett leicht wasserabweisend. Die Fasern nehmen Schmutz und Gerüche schlecht an. Daher ist es normalerweise ausreichend, Artikel aus Filz von Zeit zu Zeit auszulüften. Gegebenenfalls sollten sie entstaubt und bei Bedarf mit einem feuchten Tuch vorsichtig abgetupft werden. Bei stärkerer Verschmutzung können sie auch mit einem milden Wollwaschmittel bei höchstens 30 Grad Celsius in der Waschmaschine gewaschen werden. Anschließend sollte man sie ggf. in Form ziehen. Auf keinen Fall sollten Gegenstände aus Wollfilz mit heißem Wasser in Berührung kommen. Sie können dann weiter schrumpfen und ihre Form verlieren. Im Weltladen gibt es eine große Auswahl an Produkten aus Wollfilz wie zum Beispiel Sitzkissen, Kleidung und Hausschuhe, Topfuntersetzer und Eierwärmer, Spielsachen und Dekorations-Artikel.

Im Weltladen gibt es eine große Auswahl an Produkten aus Wollfilz wie zum Beispiel Sitzkissen, Kleidung und Hausschuhe, Topfuntersetzer
und Eierwärmer, Spielsachen und Dekorations-Artikel.

Text: Linda Winkler

Zur Person

Linda Winkler arbeitet für GLOBO Fair Trade Partner und reist ein bis zweimal im Jahr zu Produzent*innen in Lateinamerika, Afrika und Asien. Sie hat bereits mehrmals die Werkstätten von Hatale besucht. Da sie selber gerne filzt, arbeitet sie mit besonders viel Freude in der Produktentwicklung mit Hatale zusammen.


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Stand: 06/2020

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