Tag des Kaffees
Wachmacher mit Beigeschmack
GEPA – The Fair Trade Company / Michael Kottmeier, k-Film
Ob schwarz, als Espresso, Latte Macchiato oder als Eiskaffee – mit knapp 170 Litern pro Kopf ist Kaffee das Lieblingsgetränk der Deutschen. Auf der anderen Seite stellt er für rund 125 Millionen Menschen in den Anbauländern die Haupteinnahmequelle dar. Denn der größte Teil des Kaffee stammt aus kleinbäuerlicher Produktion.
Doch wegen der stark schwankenden Kaffeepreise, steigenden Kosten und Herausforderungen durch den Klimawandel können immer mehr Kaffeeproduzent*innen kaum noch vom Kaffeeanbau leben.
Der größte Teil der Wertschöpfung findet im Globalen Norden statt. Dabei schreitet die Konzentration der Unternehmen, die Kaffee verarbeiten und vertreiben, immer weiter voran. Mittlerweile kontrollieren fünf Handelshäuser 50 % des Rohkaffeehandels weltweit und zehn Röstereien produzieren ca. 35 % des weltweit gerösteten Kaffees.
Die immense Marktmacht gibt ihnen die Möglichkeit, unfaire Handelspraktiken wie z.B. Einkaufspreise unterhalb der Produktionskosten durchzusetzen
Die Erlöse decken oft nicht die Kosten
Kaffee wird an der Börse gehandelt. Sein Preis schwankt stark, was den Kaffeeproduzent*innen eine verlässliche Planung sowie Investitionen in Maschinen oder neue Kaffeepflanzen erschwert. Die Unsicherheit und niedrige Einkommen, die oftmals nicht die Produktionskosten decken, führen oft zur Ausbeutung von Saisonarbeiter*innen und Kindern und veranlassen letztendlich viele Kaffeebäuer*innen, ihre Felder aufzugeben und in die Städte abzuwandern.
Hinzu kommen große Herausforderungen durch den Klimawandel. So führen unregelmäßige Niederschläge und steigende Temperaturen zu geringeren Erträgen. Einige Kaffeeproduzent*innen verlegen ihre Anbaugebiete in höhere Lagen, wofür teilweise Wälder gerodet werden müssen. Doch die Reserven sind endlich: Schätzungen zufolge wird sich die für den Kaffeeanbau geeignete Anbaufläche bis 2050 um die Hälfte reduziert haben.
Der Faire Handel schafft Perspektiven
Kaffee ist der Klassiker des Fairen Handels; schon seit 1973 ist er auf dem Markt. Kaffee macht etwa 30 % des Umsatzes mit fair gehandelten Produkten in Deutschland aus, aber nur gut 6 % des Kaffees, der in Deutschland getrunken wird. Dabei macht er für die Produzent*innen einen großen Unterschied.
Durch garantierte Mindestpreise, eine Vorfinanzierung der Produktion und höhere Erlöse schafft der Faire Handel den Kaffeekleinbäuer*innen Planungssicherheit und höhere Einkommen. Beratung und Unterstützung bei der Umstellung auf Kaffeesorten, die auch mit den veränderten klimatischen Bedingungen klarkommen, sind weitere Leistungen, die den Produzent*innen neue Perspektiven eröffnen.
Ein weiteres Ziel des Fairen Handels ist es, die Wertschöpfung bei den Produzent*innen zu erhöhen, indem sie bei der Weiterverarbeitung ihrer Produkte unterstützt werden. So konnten sich mit Unterstützung des Fairen Handels mehrere Mitglieder der Frauen-Kaffee-Kooperative APROLMA in Honduras zu Röstmeisterinnen ausbilden lassen. Durch den Vertrieb ihres fertig verarbeiteten Biokaffees ist ihre Wertschöpfung nun etwa drei Mal so hoch, wie sie bei konventionellem Rohkaffee wäre.
Neue Studie zeigt Handlungsbedarf auf
Brot für die Welt und das Forum Fairer Handel haben 2022 die Studie „Mit bitterem Beigeschmack“ herausgegeben (siehe unten). Darin erläutern sie die Herausforderungen entlang der Kaffee-Lieferkette und zeigen Ansatzmöglichkeiten auf, um die Situation der Kleinproduzent*innen zu verbessern.
Unter anderem die Handelsbeziehungen müssten sich grundlegend ändern, damit der Kaffeeanbau nicht einseitig zu Lasten der Produzent*innen gehe, so die Autor*innen. Von der Politik fordern sie neben einem ambitionierten Lieferkettengesetz auf europäischer Ebene ein Verbot des Einkaufs von Waren unterhalb der Produktionskosten. Denn Einkommen, die nicht existenzsichernd sind, stellen für die meisten Kaffee-Kleinproduzent*innen seit vielen Jahren das zentrale Problem dar.
Weltladen-Dachverband e.V.
Forum Fairer Handel e.V.