Autorin: Brigitte Frommeyer, Pressereferentin bei der GEPA – The Fair Trade Company
Fairer Handel gegen die Klimakrise
Neue Perspektiven für Dattelproduzent*innen
Foto: Beni Ghreb
Im Herzen der Sahara ist man Hitze und Trockenheit gewohnt. Doch die aktuellen Wetterextreme bringen selbst die Dattelbäuer*innen von Hazoua an ihre Grenzen. Das Dorf liegt am Rande des Salzsees "Chott el Djerid" im Südwesten Tunesiens.
Über 100 Produzent*innen liefern die Früchte für die kleine Exportfirma Beni Ghreb, mit der die GEPA seit 2005 zusammenarbeitet. Zusätzlich wurden 200 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für Frauen in der Verarbeitung geschaffen. Die Bio-Datteln werden vor Ort für Endkund*innen verpackt, sodass weitere Arbeitsplätze entstehen. Das ist in dieser Region besonders wichtig.
Doch wegen der Trockenheit konnten 2021 30 % der Früchte nicht vermarktet werden. Der Qualitätsverlust der Datteln zieht daher auch Einkommensverluste der Bäuer*innen und Arbeiter*innen nach sich. Sadok Saidi, Gründer von Beni Ghreb, sagt dazu: „Die Verbraucher*innen möchten dicke Datteln. Und wenn man die kleinen Datteln nicht verkaufen kann, kann man für die jungen Leute keine Arbeitsplätze schaffen, weder für Männer noch Frauen.“
Landflucht als Ausweg aus der Klimakrise?
In den letzten Jahren hat sich das Bild im Dorf laut Sadok Saidi stark gewandelt: „Wenn früher ein Bauer einen Hektar Land hatte, konnten von den Erträgen seine Familie und drei weitere Arbeiter*innen leben. Aber das setzt ausreichende Niederschläge voraus für die Drei-Etagen-Wirtschaft, eine Wechselfolge von Datteln, Gemüse und Obstbäumen”, erklärt Saidi.
“Seit 2010 hat der Klimawandel gravierende Folgen für uns. Wenn der Dattelbauer kein Wasser zur Verfügung hat und gleichzeitig die Temperatur bis zu 50 Grad ansteigt, wie soll er dann noch die Drei-Etagen-Wirtschaft aufrechterhalten? Wie soll er Datteln produzieren, die eine angemessene Größe haben?“
Die Folge: Es gibt nur noch Arbeit für sieben oder acht Monate im Jahr. Die Jungen wandern ab in die tunesischen Küstenstädte oder suchen neue Perspektiven auf Lampedusa. Und auch die Bäuer*innen können kein ausreichendes Einkommen erzielen und müssen sich eine andere Tätigkeit suchen. „Wenn es so weitergeht, werden die Dörfer der Region in zehn, fünfzehn Jahren menschenleer sein“, so Saidis Befürchtung.
Ein Teil der Lösung: Gemahlene Datteln als Zucker-Ersatz für die Klimaschokolade
Vor zwei Jahren hat die GEPA ihre #Choco4Change vegan mit kompostierbarer Innenfolie auf den Markt gebracht. Gemahlene Datteln von Beni Ghreb werden als Zuckerersatz verarbeitet. Der Absatz dieser Vegan-Schokolade bietet den Bäuer*innen neue Chancen.
Bereits 2021 hatte Beni Ghreb eine Mahlmaschine für Datteln gekauft, um die Verluste der Bäuer*innen noch besser auszugleichen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Mit den Prämien aus dem Verkauf und dem Klimaschutzbeitrag von 20 Cent pro Tafel konnte Beni Ghreb inzwischen in die zweite Verarbeitungsmaschine mit besserer Pulverqualität und höherer Kapazität investieren.
Nicht nur das: Aus der Restsumme finanzierte die Organisation einen Trockner und ein Gerät zur Feuchtigkeitsmessung. Diese Geräte tragen mit dazu bei, die Qualitätsanforderungen eines immer anspruchsvolleren Marktes zu erfüllen. Außerdem möchte Beni Ghreb die Bäuer*innen dabei unterstützen, Flachbrunnen anzulegen, die mit Photovoltaik betrieben werden. So können sie die Dattelpalmen zusätzlich bewässern.
Foto: Beni Ghreb
Foto: Beni Ghreb