Welternährungstag
Gutes Essen darf kein Luxus sein
Misereor
Armutslücke Welternährung 2026: Die Lücke sinkt, bleibt aber riesig
Satt werden allein reicht nicht. Für ein gesundes Leben braucht es genug Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und gesunde Fette. Genau das können sich weltweit 2,79 Milliarden Menschen nicht leisten. Das zeigt die aktuelle Ausgabe der Studie „Armutslücke Welternährung“, die Misereor gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Göttingen jährlich herausgibt. Zusammengerechnet fehlen diesen Menschen 2,79 Billionen US-Dollar im Jahr. Das sind gerade einmal 1,31 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Die Mittel wären also da, sie sind nur ungerecht verteilt. Die Zahl ist deutlich höher als die der Hungernden. Laut dem aktuellen Welternährungsbericht der Vereinten Nationen litten 2025 rund 645 Millionen Menschen an Hunger, hatten also nicht genug Kalorien. Die Misereor-Studie zeigt, dass viel mehr Menschen zwar satt werden, sich aber trotzdem nicht ausgewogen ernähren können.
Im Vergleich zum Vorjahr gibt es erstmals ein positives Signal: Die Lücke ist um 86 Milliarden US-Dollar kleiner geworden, 78 Millionen Menschen weniger sind betroffen. Auch in Subsahara-Afrika und Nahost-Nordafrika geht die Ernährungsarmut nach vielen Jahren wieder etwas zurück. Trotzdem können sich in Subsahara-Afrika weiterhin 65 Prozent der Menschen keine gesunde Ernährung leisten. Am schwersten betroffen ist Mosambik: Dort fehlen einer durchschnittlichen Person 62 Prozent des Einkommens, das für gesundes Essen nötig wäre. 92 Prozent der Bevölkerung sind betroffen.
Steigende Preise, zu niedrige Einkommen
Ein Schwerpunkt der Studie sind die Lebensmittelpreise. Demnach ist eine gesunde Ernährung zwischen 2017 und 2025 um 46 Prozent teurer geworden. Besonders Obst, Gemüse und tierische Lebensmittel haben sich verteuert. Wer wenig verdient und einen Großteil seines Einkommens für Essen ausgibt, trifft das besonders hart. In vielen Regionen sind die Einkommen armer Haushalte nicht mitgewachsen. In Südasien haben die höheren Preise die Einkommensgewinne der letzten Jahre fast vollständig aufgefressen.
Dazu kommen neue Risiken. Die öffentliche Entwicklungsfinanzierung ist 2025 weltweit um 23 Prozent gesunken, der deutsche Beitrag um 17 Prozent. Humanitäre Organisationen mussten ihre Hilfe deshalb stark einschränken. Kriege, Konflikte und die Folgen der Klimakrise verschärfen die Lage zusätzlich.
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Misereor
Was der Faire Handel beiträgt
Kleinbäuer*innen produzieren für den eigenen Bedarf und für lokale Märkte. Damit sind sie für die Ernährungssicherheit in vielen Ländern unverzichtbar. Gleichzeitig gehören sie selbst oft zu den Menschen, die sich keine gesunde Ernährung leisten können. Wer Kleinbäuer*innen stärkt, bekämpft also Ernährungsarmut dort, wo sie am größten ist.
Genau hier setzt der Faire Handel an: mit höheren und verlässlicheren Erlösen und mit Beratung bei der Umstellung auf ökologischen Landbau oder bei der Anpassung an die Klimakrise. Politisch setzen sich Weltläden und ihre Partner*innen für die Rechte von Kleinbäuer*innen und für gerechtere Handelsbeziehungen ein. Denn auch ein fairer Welthandel kann Einkommen erhöhen und Ernährungssicherheit fördern.
Auch in Europa: Jetzt für „Good Food for All“ unterschreiben
Ernährungsarmut gibt es nicht nur im Globalen Süden. Auch in der EU können sich Millionen Menschen nicht einmal jeden zweiten Tag eine ausgewogene Mahlzeit leisten. Gleichzeitig kämpfen viele Landwirt*innen und Beschäftigte entlang der Lebensmittelkette um ein existenzsicherndes Einkommen, während wenige große Handels- und Lebensmittelkonzerne immer mehr Marktmacht haben.
Die Europäische Bürgerinitiative „Good Food for All“ fordert deshalb, das Recht auf angemessene, gesunde und nachhaltig produzierte Nahrung in der EU gesetzlich zu verankern. Dazu gehören faire Preise und Löhne für Landwirt*innen und Beschäftigte, ein besserer Zugang zu gesunden Lebensmitteln für alle, eine Begrenzung der Marktmacht großer Konzerne und mehr Unterstützung für kleinbäuerliche und agrarökologische Landwirtschaft. Der Weltladen-Dachverband unterstützt die Initiative gemeinsam mit vielen anderen Organisationen.
Damit sich die EU-Kommission mit den Forderungen befassen muss, braucht es eine Million gültige Unterschriften aus der EU. Unterschreibt jetzt und erzählt es weiter!