Abstimmung bei einer Versammlung
Fairtrade International/J. A. Rodríguez
Neue Perspektiven

Fairer Handel wirkt!

„Kommt denn der Mehrpreis überhaupt an?“ Diese und ähnliche kritische Fragen hört man oft im Zusammenhang mit dem Fairen Handel. Studien belegen, dass der Faire Handel wirkt. Ob es bessere Vermarktungschancen sind, eine höhere Wertschöpfung durch die Weiterverarbeitung von Produkten oder eine Stärkung der Rolle von Frauen – rund 2,5 Mio. Produzent*innen weltweit und ihre Familien profitieren von den Wirkungen des Fairen Handels.

Was sind Wirkungen?

Unter „Wirkungen“ versteht man dabei nicht die Leistungen, die der Faire Handel erbringt – also z.B. der Bau einer Schule oder die Beratung bei der Umstellung auf ökologischen Landbau. Wirkungen sind vielmehr die konkreten Veränderungen, die diese Maßnahmen bei der direkten Zielgruppe oder einer größeren Gemeinschaft bewirken. Das kann z.B. eine gestiegene Alphabetisierungsrate sein oder eine verbesserte Trinkwasserqualität durch den reduzierten Einsatz von Pestiziden.

Wirkungen des Fairen Handels - einige Beispiele:

Fairer Handel stärkt die Position von Frauen

In vielen Regionen der Welt haben Frauen im Vergleich zu Männern deutlich weniger Chancen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie haben oft weniger Zugang zu Bildung und zu Produktionsmitteln, verfügen über weniger Einkommen und sind häufiger von Armut betroffen als Männer. Ein zentrales Ziel des Fairen Handels besteht darin, gesellschaftliche Strukturen zu ändern, damit Frauen ihr volles Potential ausschöpfen können. Dass dies funktioniert, zeigt eine Untersuchung der World Fair Trade Organization, wonach Frauen in Fair-Handels-Organisationen doppelt so häufig in Führungspositionen vertreten sind wie in konventionellen Unternehmen.

Höhere Wertschöpfung durch Weiterverarbeitung

Dass für Produzent*innen nicht immer der höhere Preis im Fokus steht, zeigt das Beispiel der Kooperative Agropia in Peru. Den Kleinbäuer*innen, die zahlreiche traditionelle Kartoffelsorten anbauen, hat es vor allem die durch den Fairen Handel festgelegte Stabilität der Preise sowie die Abnahmegarantie ermöglicht, eine eigene Weiterverarbeitungsanlage aufzubauen. Durch die eigenständige Herstellung von Kartoffelchips haben sich von Rohstoffproduzenten zu Exporteuren eines Fertigproduktes entwickelt. So generieren sie eine höhere Wertschöpfung und konnten zudem neue Arbeitsplätze schaffen und neue Qualifikationen erlernen.

Es macht mich glücklich, zu sehen, dass die Kleinbäuer*innen nun die Möglichkeit haben, am globalen Markt teilzunehmen und dass wir sie durch die Teilnahme am Fairen Handel dabei unterstützen konnten und können, ihre Lebenssituation zu verbessern.

Portrait Yanet Giovanna Garay Flores, Geschäftsführerin der Kooperative Agropia/Peru Yanet Giovanna Garay Flores, Geschäftsführerin der Kooperative Agropia/Peru

Es gibt viele weitere Wirkungen, die der Faire Handel mit auf den Weg gebracht hat und die den Menschen am Anfang der Lieferkette ein besseres Arbeiten und Leben ermöglichen. So führen Beratungen und Schulungen zu einer besseren Produktqualität und durch die Förderung von Produzentennetzwerken haben die Handelspartner bessere Möglichkeiten, selber für ihre Rechte einzutreten.

Spannend ist, dass der Faire Handel auch in Deutschland Wirkungen erzielt …

Wirkungen auch in Deutschland

Der Faire Handel wirkt aber nicht nur bei den Menschen am Anfang der Lieferkette. Eine umfangreiche Studie hat die Wirkungen des Fairen Handels auf die Gesellschaft in Deutschland in der Zeit von 2000 bis 2015 untersucht. Sie hat ergeben, dass der Faire Handel sowohl in der Zivilgesellschaft als auch in Politik und Verwaltung, bei Handel und Herstellung und bei Bürgerinnen und Bürgern zu einem veränderten Verhalten und Bewusstsein geführt hat.

Als ein Beispiel kann das öffentliche Beschaffungswesen genannt werden: Bund, Länder und Kommunen beschaffen täglich Waren – Berufskleidung für die Feuerwehr, Computer für die Verwaltung, Pflastersteine für den Marktplatz, … - im Wert von etwa 1 Mrd. Euro. Mit diesem Einkaufsvolumen haben sie einen großen Einfluss auf die Art und Weise, wie diese Produkte hergestellt werden.

Der Faire Handel hat mit seiner kontinuierlichen Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit dazu beigetragen, das Thema auf die Agenda der Politik zu setzen und die Weichen zumindest teilweise in Richtung einer ökologisch und sozial verträglichen Beschaffung zu stellen. Dennoch ist noch viel Überzeugungsarbeit nötig, damit die öffentliche Hand ihre Möglichkeiten bei der Beschaffung ausschöpft und ihre Vorbildfunktion wahrnimmt.

Konsequenzen bei Verstoß gegen die Regeln

Trotz aller Erfolge: Auch im Fairen Handel läuft nicht alles rund. Immer wieder kommen Verstöße gegen die Kriterien ans Tageslicht. In diesen Fällen reagieren die Import- bzw. Überprüfungsorganisationen des Fairen Handels mit dem Ziel, in Zusammenarbeit mit den Produzentengruppen die Missstände abzustellen.

Sollte das nicht gelingen, wird den Handelspartnern in letzter Konsequenz die Zertifizierung entzogen und sie vom Fairen Handel ausgeschlossen. Rüdiger Meyer, Geschäftsführer der Fairtrade-Zertifizierungsorganisation FLO-CERT, erläutert im folgenden Video das Überprüfungssystem.

Fairtrade-Kontrollsystem

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Die Produzenten im Fairen Handel können sehr unterschiedlich sein. Die Organisationsformen reichen von einzelnen Handwerker*innen bis hin zu großen Genossenschaften. Der Faire Handel bietet eine Vielzahl an Leistungen, um ihre Chancen auf dem Markt zu verbessern.

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