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Transaktionsanalyse Eltern-, Kinder- und Erwachsenen-Ich

Die Transaktionsanalyse wurde 1957 von Eric Berne, einem amerikanischen Psychiater entwickelt. Sie ist ein auf der Psychoanalyse basierendes Modell der Persönlichkeit und der Interaktionen. Die Transaktionsanalyse (TA) hilft, Kommunikation besser zu verstehen und das Verständnis für sich und andere zu erweitern.

Dafür eignen sich besonders das Modell der Ich-Zustände und die vier Lebensanschauungen.

Nach der Transaktionsanalyse agiert jeder Mensch aus drei Ich-Zuständen heraus: dem Kind-Ich (K), dem Eltern-Ich (EL) und dem Erwachsenen-Ich (ER). Sie sind eine Art "Speicher", in denen von frühester Kindheit an bestimmte Ereignisse aufgezeichnet werden. Jeder Ich-Zustand besteht aus Gefühlen, Denkmustern und Verhaltensweisen, bzw. prägt diese. Alle drei Ich-Zustände sind in jedem Menschen gleichzeitig vorhanden.

Eric Berne fand heraus, dass wir in der Kommunikation mit anderen zwischen verschiedenen Zuständen wechseln. Erkennbar ist das z.B. an Wortwahl, Tonfall und auch am Inhalt dessen, was wir sagen sowie an unserer Mimik, Gestik und Körpersprache.

Die drei Ich-Zustände

  • Das Eltern-Ich: Fühlen, Denken und Verhalten, das von den Eltern übernommen wurde. Das Eltern-Ich kann sich in zwei Ausdrucksformen zeigen: fürsorglich oder kritisch-autoritär. In der Kommunikation äußert sich das z.B. darin, dass wir unsere*n Gesprächspartner*in bevormunden, ihm*ihr sagen, was er*sie tun soll, sein*ihr Verhalten missbilligen, uns fürsorglich und bemutternd geben u.ä.
  • Das Erwachsenen-Ich: Unser Erwachsenen-Ich ist reif und kann Situationen weitestgehend sachlich und objektiv sehen. Die Ausdrucksform des Erwachsenen-Ich ist: logisch und angemessen. Es ermöglicht eine realitätsgerechte Reaktion auf das Hier und Jetzt. Kommunizieren wir in unserem Erwachsenen-Ich-Zustand, dann behandeln wir unser Gegenüber gleichwertig, respektvoll und sind sachlich-konstruktiv.
  • Das Kind-Ich: So wie wir unsere Eltern in uns tragen, so lebt in uns immer auch das Kind, das wir einmal waren. Die drei Ausdrucksformen des Kind-Ich sind: natürlich verspielt, angepasst-ängstlich oder rebellisch-trotzig. Die Reaktion aus dem Kind-Ich kann uneinsichtig oder trotzig, albern oder unsicher sein. Aber auch positive Qualitäten wie Phantasie, Neugier und Lerneifer können zu dem Kind in uns gehören und sich in der Kommunikation zeigen.

Jeder Mensch greift, je nach Konstellation, in der Kommunikation auf diese drei Ich-Zustände zurück, indem er beispielsweise ermahnt, moralisiert oder sich besorgt zeigt (EL-Ich), auf Tatsachen hinweist und sie begründet (ER-Ich) oder sich auflehnt oder anpasst, uneinsichtig ist oder albern (K-Ich). Dabei sind wir uns dieser Verhaltensmuster meist nicht bewusst.

Wenn zwei Personen miteinander reden, agieren sie aus den verschiedenen Ich-Zuständen heraus. Das Wechselspiel von Ansprache und Reaktion aus den verschiedenen Ich-Zuständen ist die Transaktion.

Wird jemand von einer Person aus dem Eltern-Ich angesprochen, dann wird er in der Regel automatisch aus dem Kind-Ich antworten, z.B. aus dem trotzigen: IMAGE

Spricht jemand einen anderen aus dem Kind-Ich an, dann wird der entweder aus dem Eltern-Ich antworten oder aus dem Kind-Ich. IMAGE

Das Eltern-Ich spricht immer das Kind-Ich des Anderen an. Wird aus dem Kind-Ich gesprochen, wird das Eltern-Ich des Gegenübers angesprochen.

Das Erwachsenen-Ich wendet sich an das Erwachsenen-Ich des Gegenübers.

Die Antwortreaktion kann wiederum aus allen drei Ich-Zuständen kommen. So kann z.B. auf eine Äußerung aus dem Erwachsenen-Ich mit dem Kind-Ich, Erwachsenen-Ich oder Eltern-Ich reagiert werden:

Chef*in Mitarbeiter*in
EL EL: „Regen Sie sich nicht so auf, das ist Ihnen doch sicher auch schon passiert.“
ER: Sie kommen zu spät. ER: „Ja, das stimmt. Lassen Sie uns überlegen, wie ich die verpasste Zeit wieder aufholen kann.“
K K - ängstlich-angepasst: „Das tut mir sehr leid, das wollte ich nicht. Ich mache es wieder gut."

Es gibt dabei drei verschiedene Arten von Transaktionen:

1. komplementär-symmetrisch Frage: ER → ER ("Wie viel Uhr ist es bitte?") Antwort: ER → ER ("8 Uhr.") Beide Gesprächspartner*innen sprechen aus der gleichen Ich-Ebene heraus. Die Kommunikation gelingt.

2. komplementär-asymmetrisch Frage: EL → K ("Komm, beeil Dich!") Antwort: K → EL ("Ich komm ja schon.") Hier ergänzen sich die Gesprächspartner*innen. Das Eltern-Ich spricht das Kind-Ich an und das Gegenüber antwortet aus dem angesprochenen Kind-Ich an das Eltern-Ich. Beide Seiten verstehen sich problemlos, da die Kommunikation den erwarteten Mustern entspricht. Wenn diese Rollen in einer Beziehung allerdings manifestiert sind, wird es irgendwann Unzufriedenheit auf einer Seite geben.

3. ungleich (gekreuzt) Frage: ER → ER ("Wie viel Uhr ist es bitte?") Antwort: EL → K ("Schau doch selber nach!") Frage: EL → K (Was hast Du Dir eigentlich dabei gedacht?") Antwort: EL → K ("Und was denkst Du Dir dabei, so mit mir zu reden?") Bei gekreuzten Transaktionen findet die Reaktion auf einer anderen Ebene statt als der angesprochenen. Typisch ist hier, dass die Kommunikation nicht fließt, sondern quasi unterbrochen wird, da die angesprochene Person nicht wie vorgesehen reagiert, sondern auf eine andere Ebene wechselt. Die Folge ist hier meist eine Auseinandersetzung.

In vielen Gesprächen finden vor allem so genannte "verdeckte Transaktionen" statt. Hier sind mehrere Ich-Zustände beteiligt. Zwei davon sind "offen", die anderen wirken verdeckt, wie bei folgendem Beispiel:

Person A: "Das ist das dritte Stück Kuchen." (Auf den ersten Blick eine Aussage des Erwachsenen-Ichs an das Erwachsenen-Ich des Anderen, aber durch einen unterschwellig missbilligenden Ton eigentlich eher eine Ermahnung vom Erwachsenen-Ich an das Kind-Ich des Anderen, nicht so viel zu essen.)

Person B: "Du hast dich verzählt." (Scheinbar antwortet das Erwachsenen-Ich, aber durch den unterschwelligen Ton wird der trotzige Tonfall des Kind-Ichs deutlich.)

Eine gleichberechtigte Beziehung bei der Zusammenarbeit im Weltladen wird sich auf der Ebene ER ↔ ER einpendeln, mit den belebenden Nebenschauplätzen EL und K.

Wird man von einem Eltern- oder Kinder-Ich angesprochen, kann mit dem Erwachsenen-Ich geantwortet werden. Das kann zu Irritationen führen, da es die Muster unterbricht. Andererseits erhöht es die Chancen auf eine gleichberechtigte, konstruktive Fortführung der Kommunikation.

Nutzen der Transaktionsanalyse

  • Sich der eigenen Kind-, Eltern- und Erwachsenen-Ich-Zustände bewusster werden.
  • Die verschiedenen Ich-Zustände bei dem*der Gesprächspartner*in rascher hören und ihn*sie dadurch besser verstehen.
  • Darauf achten, vor allem in beruflichen Situationen, vermehrt mit dem Erwachsenen-Ich zu kommunizieren.
  • Sich alle Ich-Zustände zugestehen.

Indem man sich angewöhnt, innerlich beiseite zu treten und eine Kommunikationssituation im Hinblick auf die drei Ich-Zustände zu analysieren, kann man gut eingefahrene Kommunikationsmuster zwischen sich und seinem*r Gesprächspartner*in erkennen und evtl. ändern.


Quelle

DEAB – Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg e.V. (2010): QualiFair Aufbaukurs Weltladen. Qualifikation für Fach- und Führungskräfte im Fairen Handel. Modul “Personalführung im Weltladen” (Birgit Lieber), nach: Miller, Reinhold (2004): “Das ist ja wieder typisch!”; Konnerth, Tania (2010): Menschliche Kommunikation verstehen. Die Transaktionsanalyse.

Quelle: Wiki-Artikel „Transaktionsanalyse Eltern-, Kinder- und Erwachsenen-Ich“ von Weltladen-Dachverband e.V. unter einer CC BY 4.0-Lizenz

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