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Kritische Analyse von Bildungsmaterialien

Es gibt Stimmen, die dem Fairen Handel einen enthaltenen Rassismus attestieren. Wie steht es um die Bildungsarbeit im Fairen Handel? Es lohnt sich einen Blick auf die Bildungsarbeit von Weltläden zu werfen, da auch hier Bilder und Sprache verwendet sowie Geschichten von Produzent*innen aus Ländern des Südens erzählt werden. Es können dabei unbewusste Rassismen und Diskriminierungsmechanismen reproduziert werden.

Kritische Analyse von Bildungsmaterialien

Welche Stolpersteine in der Bildungsarbeit gibt es und wie können sie bewusster reduziert werden? Verschiedene Checklisten liefern Ansatzpunkte, die eigene Arbeitsweise und Materialien zu hinterfragen, zu überprüfen und gegebenenfalls zu verändern, damit unbewusste Rassismen deutlich werden. Einige erste Tipps für eine diskriminierungssensiblere Bildungsarbeit werden hier genannt.

Eine Grundvoraussetzung ist es, sich mit den eigenen Stereotypen, Einstellungen und Vorurteilen auseinanderzusetzen. Erst die Offenheit schafft Raum für Veränderungen. Annahmen wie „Ich bin nicht rassistisch“ sollten grundsätzlich in Frage gestellt werden können. Diese Auseinandersetzungen können schmerzhaft sein, da sie Facetten aufdecken, die nicht mit dem eigenen Selbstbild übereinstimmen. Aufmerksamkeitstrainings und Schulungen helfen dabei, die Bildungsmaterialien immer wieder kritisch zu betrachten.

Bewusster Umgang mit Begrifflichkeiten

  • Begriffe sind nie wertneutral und immer wirkmächtig.
  • Welche zentralen Begriffe werden (womöglich unhinterfragt) verwendet und was genau bedeuten sie? Welche Wertungen und Tendenzen schwingen in ihnen mit? Werden Aussagen getroffen, die nicht begründet sind?
  • Achtung vor Zuschreibungen, wie: „die Menschen im Land X sind ...“ und Begriffen wie „Stamm“ sowie kolonialen Begrifflichkeiten wie etwa entdecken, zivilisieren, Wilde, Fremde.
  • Begrifflichkeiten vermeiden, die darauf hindeuten, dass sich Länder oder Kulturen in eine bestimmte Richtung entwickeln sollen. Sehr leicht schleicht sich ein ‚noch‘ ein und legt die Vermutung nahe, dass in bestimmten Erdteilen jemand noch etwas erreichen muss – oft etwas, das ‚wir‘ schon haben.

Orte und Individuen

  • Konkrete Regionen, Länder, Städte etc. als Bezug wählen, Kontinente (zum Beispiel Afrika) als Bezugsgröße vermeiden.
  • Personen so individuell darstellen, wie sie es auch sind (Stereotype vermeiden, eine Einzelperson nicht als Beispiel für ein ganzes Land oder einen ganzen Kontinent nennen).
  • Respektvoll mit kulturellen, lokalen, politischen, religiösen Unterschieden und Sichtweisen umgehen und diese Diversität darstellen.

Fokus auf Gemeinsamkeiten legen

  • Eigenes im Fremden finden, zum Beispiel Alltag von Produzent*innen oder die Wohnsituation hier und da.
  • Eigene kulturspezifische Eigenheiten beachten und ebenfalls ansprechen.
  • Keine Kulturalisierung sondern globale Zusammenhänge betrachten.
  • Bei der Darstellung von Problemen immer den globalen Zusammenhang aufzeigen. Dabei sowohl auf die Verantwortung des Globalen Nordens als auch des Globalen Südens aufmerksam machen, zum Beispiel Fleischexporte der EU, Grundwasserspiegelabsenkung durch Weltkonzerne wie Coca Cola.

Perspektiven umdrehen bzw. ändern

  • Zum Beispiel Konzept von Entwicklungsländern und (entwickelten) Industrieländern in Frage stellen: Wer entwickelt eigentlich wen und wer ist entwickelt? Partnerschaftliche Darstellung wählen, Objektivierungen und Mitleid vermeiden.

Menschen in Darstellungen eine Stimme geben

  • Interviews, Zitate, eigene Texte und Schriften sind viel ehrlicher und weniger gefährdet von uns falsch verstanden zu werden.
  • Menschen wertneutral, respektvoll und wertschätzend darstellen.
  • Persönlichkeitsrechte wahren.
  • Name, Orte, Details wahrheitsgetreu angeben, um Erlaubnis für die Veröffentlichung der Informationen bitten.
  • Gäste einladen, die nicht nur Quoten erfüllen sollen, sondern Raum haben, ihre Perspektive aufzuzeigen.

Positive Beispiele

  • Es ist wichtig nicht nur über Problemlagen zu sprechen, sondern auch positive Ansätze und gute Beispiele aus dem Globalen Süden zu benennen. Sie verdeutlichen, dass ein anderes Wirtschaften oder Umgang mit Mensch und Natur möglich und bereits gelebte Praxis ist.
  • Positive Beispiele aus dem Süden wählen, zum Beispiel den Ansatz des Buen Vivir aus Bolivien vorstellen.

Stand: Dezember 2020


Quelle

Weltladen-Dachverband (2014): Man lernt nie aus. Leitfaden zur Erwachsenenbildung.

Zum Weiterlesen

2016_ebasa_Reflexion und Checkliste

2010_BER_Checkliste

Quelle: Wiki-Artikel „Kritische Analyse von Bildungsmaterialien“ von Weltladen-Dachverband e.V. unter einer CC BY 4.0-Lizenz

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Stand: 01/2021

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